Fono Forum

Ja, sie haben etwas Neues und Substanzielles zu sagen. Das demonstrieren die Mitglieder des Pacific Quartet Vienna gleich im ersten Stück, Mozarts „Dissonanzen“-Quartett. Mit fahlem Ton kriechen sie in die querständigen Reibungen hinein, die dem Stückseinen Beinamen beschert haben, sie phrasieren das Adagio rhetorisch und beleben das Menuett und Finale auch mit schroffen Figuren. Das wirkt sehr prägnant, sehr sprechend – und ein bisschen wie instrumentales Theater.

Womit wir beim Konzept des Albums wären. „Szenen ohne Worte“ hat das in Wien und Zürich beheimatete Ensemble sein Programm genannt und dieses Versprechen auch eingelöst. Donizettis kurzweiliges, viel zu wenig bekanntes D-Dur-Quartett überrascht sein Publikum mit immer neuen Licht- und Stimmungswechseln, die das Pacific Quartet pointensicher durchlebt. Da treffen sanfte Klageseufzer auf wild gewordene Trillerexzesse, am Ende des Larghetto mit seinem schmachtenden Gesang grummelt das Cello wie ein knurriger Buffo-Bass. Herrlich! Ebenso Verdis Quartett, das die vier Streicherinnen und Streicher quirlig und abwechslungsprall auf die Kammermusikbühne bringen. Zwischen Walzerseligkeit und entrücktem Himmelsblick, zwischen warmem Legato und wildem Hexentanz liegen da oft nur ein paar Takte.

Fono Forum, August 2025